Internationaler Frauentag: Gleichstellung braucht Einfluss und Mitsprache
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27. März 2026Pressemitteilung des Landesintegrationsrates NRW vom 20. März 2026
Rassismus verändert sich. Er tritt nicht nur offen auf, sondern verlagert sich in Sprache, politische Strategien und alltägliche Deutungen. Der Landesintegrationsrat weist darauf hin, dass diese Entwicklung in Deutschland an Schärfe gewinnt. Der Internationale Tag gegen Rassismus steht unter Bedingungen, in denen Abwertung und Ausgrenzung gezielt normalisiert werden. Rechte Parteien in Deutschland verfolgen erkennbar das Ziel, rassistische Positionen in den Bereich des gesellschaftlich Akzeptierten zu verschieben. Provokation, Wiederholung und bewusste Grenzüberschreitungen sind Teil dieser Strategie. Aussagen, die grundlegende Gleichwertigkeit infrage stellen, werden so lange wiederholt, bis Widerspruch nachlässt und Gewöhnung einsetzt. Diese Form politischer Einflussnahme richtet sich nicht nur gegen einzelne Gruppen, sondern gegen die demokratische Ordnung insgesamt.
Demokratische Parteien tragen in dieser Situation besondere Verantwortung. Wehrhaftigkeit zeigt sich nicht in der Übernahme rechtspopulistischer Narrative, sondern in der klaren Zurückweisung von Rassismus und in einer Politik, die sich an der Realität einer vielfältigen Gesellschaft orientiert. Jede Verschiebung von Sprache und Maßstäben hat konkrete Folgen für den gesellschaftlichen Umgang miteinander. Öffentliche Debatten über Migration verdeutlichen, wie stark Wahrnehmungen gesteuert werden können. In ihrer öffentlichen Kommunikation müssen die demokratischen Parteien daher Fehlinformationen aktiv korrigieren. Migration wird häufig und zu Unrecht entlang von Konflikten und Gefahren erzählt. Menschen mit internationaler Familiengeschichte erscheinen als Sündenböcke für gesellschaftliche Missstände und ihre Ungleichbehandlung wird durch rassistische Argumentationslinien legitimiert.
Auch Redaktionen müssen systematisch prüfen, welche Bilder, Begriffe und Narrative sie wählen. Sensationslogik, selektive Ereignisdarstellung und wiederholte Stereotypisierung schaffen Wahrnehmungen, die nicht der Realität entsprechen. Medien tragen Verantwortung dafür, dass Fakten verifiziert werden, diskriminierende Sprache vermieden wird und die Vielschichtigkeit von Migration sichtbar gemacht wird. Deutschland ist seit langem eine von Vielfalt geprägte Gesellschaft. Migration, Mobilität und Diversität gehören zur Realität und prägen wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklungen. Menschen mit internationaler Familiengeschichte sind Teil dieser Gesellschaft und gestalten sie mit. Ihre Zugehörigkeit steht nicht zur Disposition.
Der Landesintegrationsrat fordert eine konsequente Orientierung an Fakten, eine differenzierte öffentliche Kommunikation und eine politische Praxis, die Gleichwertigkeit sichert. „Rassismus bleibt wirksam, wenn er verharmlost wird. Er verliert jedoch an Einfluss, wenn ihm widersprochen wird und gesellschaftliche Vielfalt als Normalität anerkannt wird.“ so Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates. Ergänzend verweist der Landesintegrationsrat NRW auf seine Publikation „Rassismuskritische Bildungsarbeit. Eine Handreichung für Lehrkräfte ab Jahrgang 8“. Sie stellt konkrete Ansätze für den schulischen Umgang mit Rassismus bereit und richtet sich an Lehrkräfte, die ihre pädagogische Praxis entsprechend weiterentwickeln wollen. Die Handreichung kann beim Landesintegrationsrat bezogen werden.