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5. Februar 2026Pressemitteilung des Landesintegrationsrates NRW anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache am 21. Februar 2026
Unsere Gesellschaft ist mehrsprachig – in Familien, in Schulen, in Betrieben und in unseren Städten. Zum Internationalen Tag der Muttersprache ruft der Landesintegrationsrat NRW dazu auf, die natürliche Mehrsprachigkeit endlich als selbstverständlichen Bestandteil unseres Bildungssystems und unserer Gesellschaft anzuerkennen und zu stärken.
Mehrsprachigkeit ist weder Randthema noch Zeichen mangelnder Integration, sondern die Lebensrealität für Millionen von Menschen und eine große Chance für unser Land. Global betrachtet ist Mehrsprachigkeit eher der Normalfall als die Ausnahme. Gerade in Nordrhein-Westfalen mit seiner vielfältigen Bevölkerung gehört Mehrsprachigkeit zum Alltag vieler Familien. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Sprachen in enger Wechselwirkung miteinander stehen. Die systematische Förderung von Erst- und Familiensprachen trägt wesentlich zum Erwerb der deutschen Sprache sowie weiterer Sprachen bei. Bereits in der frühen sprachlichen Bildung stärkt die Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit die kognitiven Fähigkeiten der Kinder, verbessert ihren Bildungserfolg und ihre gesellschaftliche Teilhabe. Dennoch orientiert sich das Bildungssystem an einer monolingualen, irrealen Vorstellung der Schülerschaft und übersieht vorhandene Sprachressourcen. Infolgedessen bleiben die Potenziale zahlreicher Kinder und Jugendlicher mit internationaler Familiengeschichte im Bildungssystem oft ungenutzt oder werden sogar strukturell benachteiligt. „Nordrhein-Westfalen ist längst ein mehrsprachiges Land. Unsere Schulen müssen diese Realität widerspiegeln und dürfen die von den Kindern und Jugendlichen gesprochenen Sprachen nicht missachten“, erklärt Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates NRW. „Die Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit kennt nur Gewinner: Sie stärkt die Bildungssprache Deutsch, fördert die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.“
Deshalb begrüßt der Landesintegrationsrat NRW den Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW „Mehrsprachigkeit an Schulen stärken – eine Chance für die Gesellschaft und die persönliche Entwicklung“ (Drucksache 18/14522).[1] Gleichzeitig fordert er konkrete strukturelle Maßnahmen, wie zum Beispiel den Ausbau des herkunftssprachlichen Unterrichts, bessere Ausbildung und Gewinnung von Lehrkräften, verpflichtende Fortbildungen sowie mehrsprachige Unterrichtsmodelle. Diese Maßnahmen sind wissenschaftlich fundiert und langfristig wirksam.[2] Kurzfristige, defizitorientierte Programme – wie z.B. die geplanten ABC-Klassen[3] – können unterstützen, ersetzen aber keine kontinuierliche Sprachbildung, die alle sprachlichen Ressourcen der Kinder einbezieht.
„Wir brauchen eine nachhaltige Sprachbildungspolitik“, betont Keltek. „Investitionen in natürliche Mehrsprachigkeit sind Investitionen in Bildungsgerechtigkeit, wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und gesellschaftlichen Frieden.“ Mehrsprachige schulische Angebote tragen zur Anerkennung vielfältiger Identitäten bei, stärken Selbstbewusstsein und Zugehörigkeitsgefühl von Schülerinnen und Schülern und helfen, Diskriminierung entgegenzuwirken. Der Landesintegrationsrat NRW sieht darin eine zentrale demokratische Aufgabe. In einer pluralen Gesellschaft ist sprachliche Vielfalt kein Hindernis, sondern ein Fundament für gegenseitiges Verständnis. „Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, dass ein Teil ihrer Identität weniger wert ist“, so Keltek. „Jede Sprache ist Teil unserer gemeinsamen Zukunft. Wenn wir die natürliche Mehrsprachigkeit ernst nehmen, stärken wir nicht nur einzelne Kinder – wir stärken unser Land. Die Anerkennung der natürlichen Mehrsprachigkeit ist auch eine Frage von Respekt, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit.“
Der Internationale Tag der Muttersprache erinnert daran, dass sprachliche Vielfalt ein kultureller Reichtum und die Förderung der Muttersprache ein Menschenrecht ist. Nordrhein-Westfalen kann hier Vorbild sein – wenn Politik, Bildungseinrichtungen und Gesellschaft gemeinsam handeln. „Mehrsprachigkeit ist kein Problem, das gelöst werden muss“, so Keltek abschließend. „Sie ist eine Chance, die wir endlich nutzen müssen.“
[1] Vgl. Landtag NRW, https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-14522.pdf (Stand 18.02.2026)
[2] Für mehrere Informationen weisen wir auf die schriftliche Stellungnahme des Landesintegrationsrates zum Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen „Mehrsprachigkeit an Schulen stärken – eine Chance für die Gesellschaft und die persönliche Entwicklung“ (Drucksache 18/14522) und zum Entschließungsantrag der Fraktion der FDP „Ohne Deutsch keine Chancengerechtigkeit – Bildungsqualität statt Ausweitung von Mehrsprachigkeit“ (Drucksache 18/15696) hin: https://landesintegrationsrat.nrw/wp-content/uploads/2025/12/Stellungnahme-Mehrsprachigkeit_LIR-NRW.pdf (Stand 18.02.2026)
[3] Vgl. Landtag NRW, https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV18-4708.pdf (Stand 18.02.2026)Die Teilnehmer waren sich einig, dass solche Seminare sich besonders gut zur Vernetzung eignen und der bzw. dem Einzelnen einen echten Motivationsschub geben.