70 Jahre seit Anwerbeabkommen: Einwanderung prägt Deutschland – gestern, heute, morgen
18. Dezember 2025Geschützt: Logo-Download
4. Februar 2026Pressemitteilung des Landesintegrationsrates NRW vom 02. Februar 2026
Deutschland verliert mit Prof. Dr. Rita Süssmuth eine Visionärin mit klarem Blick auf gesellschaftliche Realitäten und Mut zur Veränderung. „Rita Süssmuth hat wie kaum eine andere Persönlichkeit die Bedeutung von Migration als Bereicherung und Zukunftschance für unsere Gesellschaft verstanden und dieses Verständnis mit großer Überzeugung öffentlich vertreten“, sagt Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates NRW. „Ihr langjähriges Engagement sowie ihre Unterstützung unserer Arbeit, unter anderem als Hauptrednerin bei zentralen Veranstaltungen des Landesintegrationsrates NRW, waren von großer Bedeutung und Wirkung. Ihren Angehörigen und allen, die ihr nahestanden, sprechen wir unser aufrichtiges Beileid aus!“
Erst einige Monate zuvor anlässlich des 25. Jahrestages der Einsetzung der Süssmuth-Kommission am 12. September 2000, erinnerte der Landesintegrationsrat an die Verdienste Rita Süssmuths für das friedliche und gleichberechtigte Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft. Es ist Frau Süssmuth zu verdanken, dass nach Jahrzehnten der Einwanderung endlich ein breiter Konsens darüber entstanden war, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und diese Tatsache politisch begleitet und durch konkrete Maßnahmen gestaltet werden muss. Zu einer Zeit als viele noch überholten Vorstellungen von kultureller Homogenität und gesellschaftlicher Zugehörigkeit anhingen, trat Frau Süssmuth bereits für die politische Teilhabe auch derjenigen Menschen ein, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben, und die grundsätzliche Möglichkeit doppelter Staatsbürgerschaften.
„Frau Süssmuth hat sich eindrucksvoll für die Grundprinzipien der Demokratie eingesetzt und ist auch bei politischem Gegenwind nicht von ihrem Kurs abgewichen. Ich schätze sie persönlich sehr für ihre Standhaftigkeit und ihr kontinuierliches Engagement. Besonders eindrucksvoll war ihr Eintreten für einen echten Perspektivwechsel, weg von den Defiziten, hin zu den Potenzialen von Menschen mit internationaler Familiengeschichte“, so Keltek. Im Vorwort zum Buch Integration reicht nicht[1] stellte Frau Süssmuth fest: Menschen mit internationaler Familiengeschichte „bereichern unser Land mit ihrem Können, mit ihren Fähigkeiten und Einstellungen. Viele von ihnen können sich in unterschiedlichen Kulturen bewegen, sind zwei- oder gar dreisprachig. Sie sollten uns schenken, was sie von ihrem Zuhause mitbringen. In der Migration liegen Chancen, von denen die gesamte Gesellschaft profitieren kann.“
Rita Süssmuth wird fehlen. Gerade in Zeiten erstarkenden Rassismus und Rechtsextremismus braucht es Stimmen wie die ihre, die sich für demokratische Rechte und ein gutes Miteinander in Vielfalt einsetzen. „Ich hoffe sehr, dass Politik und Gesellschaft sich ihrer Ideale dauerhaft erinnern. Frau Süssmuths Ideen haben bedeutsame Veränderungen in unserem Land eingeleitet und besitzen bis heute das Potenzial, wegweisende Impulse für die Gestaltung einer vielfaltigen und gleichberechtigten Gesellschaft zu geben“, so Keltek abschließend.
[1] Süssmuth, Rita (2021): Vorwort, in: Jaitner, Thomas; Keltek, Tayfun; Vallecoccia, Silvio, „Integration reicht nicht. Anerkennung und Chancengerechtigkeit in der postmigrantischen Gesellschaft“. Dünya-Verlag: Köln, S. 10.